Die juristische Unschärfe einer Ehe

 

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Fotos: © Ute Langkafel


Altay und Leyla sind ein Paar. Nachdem sie Aserbaidschan verlassen haben, hat es sie nach Berlin verschlagen. Sie lieben sich als Freunde, doch ihre Ehe ist nur Schein, um die Familie zu beruhigen. Als Leyla auf Jounoun trifft, beginnt alles plötzlich komplizierter zu werden.

Das Gefühl, sich selbst abhanden gekommen zu sein auf der Suche nach einem Leben, das sich wie das eigene anfühlen soll, kennen die Twentysomethings aus Olga Grjasnowas neuem Roman allzu gut. Altay ist Arzt, Leyla Balletttänzerin. Sie liebt Frauen, er liebt Männer, manchmal lieben sie auch sich. Jahrelang hat Leyla ihren Körper unter Schmerzen geschunden, um einmal als Schneeflöckchen im Nussknacker des Bolschoi-Theaters zu tanzen. Als durch einen Unfall alle ihre Hoffnungen zerbrechen, kündigt sie ihre Anstellung als Ballerina und flieht mit Altay aus der postsowjetischen Lebensenge ins libertinäre Berlin. Als die lesbische Performance-Künstlerin Jonoun aus New York in ihr Leben tritt, entwickelt sich eine leidenschaftliche Dreiecksbeziehung und Leylas Leben gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht. Ein Road Trip auf den Spuren der eigenen Geschichte von Berlin über Aserbaidschan bis hinein in die kaukasischen Abgründe soll dem Leben im Dauertransit ein Ende setzen. Nach der viel beachteten Uraufführung von Olga Grjasnowas Debütroman Der Russe ist einer, der die Birken liebt bringt das Maxim Gorki Theater in der Regie von Nurkan Erpulat nun auch den jüngsten Roman der Autorin auf die Bühne. Schnörkellos trifft sie den Sound einer rastlosen wie orientierungslosen Generation von multinationalen Patchwork-Biographien. Sie pendelt zwischen Kulturen, Sprachen und sexuellem Begehren hin und her auf der Suche nach dem richtigen Leben, der großen Liebe und einem Gefühl von Heimat in einer Welt endloser Lebensentwürfe. Ein anarchistisches Spiel um die Unschärfen gesellschaftlicher Normen.

Eine Produktion des Maxim Gorki Theaters. Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Reinbek bei Hamburg © Carl Hanser Verlag, München 2014

Premiere: 17. September 2014

Von
Olga Grjasnowa

Regie
Nurkan Erpulat
Bühnenbild
Kathrin Frosch
Kostüme
Pieter Bax
Musik
Valentin von Lindenau, kling klang klong
Video
Sebastian Pircher
Choreografie
Nir de Volff
Dramaturgie
Daniel Richter
Licht
Hans Fründt
Besetzung
Mehmet Ateşçi
Mareike Beykirch
Lea Draeger
Taner Şahintürk


Pressestimmen

„Mit „Die Juristische Unschärfe einer Ehe“ serviert uns das Maxim Gorki Theater in Berlin wieder einmal eine experimentelle Theater-Erfahrung erster Sahne: Gestaltwandlerische Bühnenbilder, eine Menge Seelenchaos, geiler Sound, die ein oder andere Freizügigkeit und grandiose Schauspieler, die weder vor trashigen Kostümen zurückschrecken, noch davor blankzuziehen. Schnörkellos, modern und direkt am Puls unserer orientierungslosen Generation lassen Regisseur Nurkan Erpulat und sein Ensemble uns an ihrem anarchistischen Spiel um die Unschärfen gesellschaftlicher Normen teilhaben. Am Ende regnet es nicht nur tote Spatzen, sondern auch echte Tränen – meine zumindest.“
Männer, Dennis Stephan

„Der Regisseur Nurkan Erpulat bricht in seiner Bühnenfassung die Struktur des Romans auf, arrangiert Szenen um und streicht das Happy End. (…) Es entsteht das kraftvolle Porträt einer heimatlosen Generation. Atemlos geht eshier durch die Nacht, Berghain inklusive. (…) Die vier Schauspieler – Mehmet Ateşçi, Mareike Beykirch, Lea Draeger und Taner Şahintürk – spielen ungeschützt und voller Energie.“

„Der Sicherheitsabstand, der an diesem Berliner Premierenwochenende zwischen dem Theater und seinen Stoffen liegt – hier wird er kurz aufgehoben.“
Süddeutsche Zeitung, Mounia Meiborg

„Stark ist die Aufführung überall dort, wo sie sich wie unter Drogen der Vorlage erinnert, die selber angesichts mancher Hochdosierung in Sachen Biografiedetails ächzt und auch sonst reichlich halluzinogen zwischen Zeiten und Räumen springt. Dann stürzen präzis dahingetänzelte Szenen mühelos ins herzzerreißende Drama…“
Der Tagesspiegel, Jan Schulz-Ojala

„Die jugendliche Energie und Aufbruchsstimmung der zwischen den Kulturen und sexuellen Identitäten wechselnden Charaktere überträgt sich ins Parkett.“
Inforadio, Ute Büsing

„Olga Grjasnowas Die juristische Unschärfe einer Ehe über die arrangierte Ehe einer Lesbe und eines Schwulen aus Aserbaidschan liefert viel Erzählstoff. Nurkan Erpulat zieht bei seiner Inszenierung des Stücks in Berlin ästhetisch alle Register. (…) Immer wieder singt Mehmet Atesci melancholische Popballaden (Musik: Valentin von Lindenau), flackern Visuals mit Fotografien aus drei Ländern und verschiedenen Zeitschichten über die Bühne von Katrin Frosch, switcht der Abend von Pathos zu Satire zu Melancholie. Zusammengehalten werden diese extremen atmosphärischen Wechsel von den vier starken Gorki Spielern.“
Deutschlandradio Kultur, Eva Behrendt